Der Anfang

Was, glauben Sie, geschieht nach dem Tod? Zerfallen Sie zu Staub und werden von Maden in der Erde gefressen? Verwesen Sie so lange, bis nichts weiter, außer Ihrer Knochen übrig ist? Denken Sie so?
Ich denke, dass sie uns beobachten. Sie sehen uns zu. Manche von ihnen beneiden uns. Wir wachen morgens auf und haben schon wieder die Möglichkeit, zu leben. Zu gestalten. Zu lieben. Es gibt sehr viele, denen das nicht vergönnt ist und die ihren Groll darüber über jene seltsame Grenze hinaus mitnehmen. Dieser Groll ist es, den sie atmen müssen, das ist die Hölle, eine selbst geschaffene. Sie sind verdammt, uns so lange zuzusehen, bis sie das Wort “Demut” mit Inhalt füllen können. Bis sie lernen, zu vergeben. In erster Linie sich selbst. (Das ist aber nur meine Meinung, nicht wahr?)

Und wieder andere von ihnen lachen und ziehen wilde Blumen in unseren Gärten heran, um uns auf die Weise zu grüßen, wie uns manchmal eine laue Sommerbrise an einem schwülen Tag streift. Sie machen sich einen Spaß daraus, im Fahrstuhl heimlich jeden Knopf von jedem Stockwerk zu drücken, um anschließend hinter vorgehaltenen Händen über unser ärgerliches Aufstöhnen zu kichern. Sie versuchen uns, zum Lachen zu bringen, indem sie aus Wolken lustige Sachen formieren, ähnlich wie wir Papierschiffe bauen.

Oder aber sie stehen neben uns, während wir das Geschirr spülen. Während die Hände tief im Spülschaum stecken und Tränen auf das glitzernde Weiß tropfen. Sie stehen neben uns und lachen. Sie legen uns eine Hand auf die Schulter und schicken uns einen Luftkuss über jene, unsichtbare Grenze. Sie flüstern uns zu, dass jede Verzweiflung überflüssig ist. Dass wir für alles im Leben selbst verantwortlich sind. Und dass wir, wenn wir Hilfe brauchen, nur darum zu bitten brauchen. Nur die Hand danach ausstrecken. Dass es tatsächlich so einfach ist.

Damit hat eigentlich alles angefangen.