Schriftliche Schnappschüsse

Je größer Kinder werden, desto toller werden sie. Man glaubt im zarten Babyalter noch wirklich an die Genderfreiheit und kann sich später nicht erklären, warum der zweieinhalbjährige Sohn mit einem Feuerwehrhelm auf dem Kopf kreischend durch die Wohnung turnt: “Feua löschn! Mama, hia – du baust ein Slauch!” (Für meinen Sohn ist die Feuerwehr das wichtigste. Das aller-wichtigste.)

Eltern von Kindern, die den Schnuller als unverzichtbare Einschlafhilfe benötigen, kennen vielleicht folgende Situation: Es ist halb drei Uhr morgens. Das Kinde erwacht, weint ein bisschen und man tätschelt ihm im Halbschlaf den Kopf, will ihm den Schnuller geben (im Wissen, dass er sich dann zufrieden zur Seite rollt und weiter schläft) und – findet ihn nicht. Weg. Er-ist-weg. Er ist nicht unter der Decke, nicht unter dem Kissen, auch nicht unter dem Bett. Heinzelmännchen haben ihn entführt, ganz sicher, eine andere Erklärung gibt es nicht, denn VERDAMMT: Das Kinderzimmer ist großzügig, aber doch kein schwarzes Loch! Plante ich zu jenem Zeitpunkt noch einen riesigen Tuhuwabuhu um die Schnullerentwöhnung, dachte über Schnuller Fee und co. nach, traf ich in jener denkwürdigen Nacht folgende Entscheidung: Der Schnuller muss weg. Jetzt. SOFORT. Ich setzte mich also neben meinem Sohn und erklärte ihm, seine Schnuller seien jetzt alle bei den neuen Babys auf der Welt, die seien ja viel kleiner als er und er schon ein großer Junge, der einen Schnuller ja gar nicht mehr braucht. Und wisst ihr, was mein Sohnemann tat? Er nickte, rieb sich die Augen, rollte sich auf die Seite und SCHLIEF. Durch. Er hat nie wieder nach einem Schnuller gefragt bis auf das eine Mal, als er den verlorenen Schnuller fand und ihn mir mit den Worten brachte: “Mama, guck ma, ein Snulla! Den musst du zu den Bebies bingen!” (Ich war so dankbar für die Einfachheit der Schnullerentwöhnung, dass ich meinem Kind ein Duplo-Feuerwehrauto schenkte – das fortan mit im Bett schlafen muss.)

Überhaupt schlafen: Das kann er. Als er zum allerersten Mal in einem großen Stockbett (unten) schlief, torkelte ich nachts im Halbschlaf zu ihm rüber, um zu schauen, ob das klappt. Es ist wirklich kein schönes Gefühl, wenn man mitten in der Nacht feststellt: Das Kind ist weg! Das Bett war leer, aber das Kind auch nicht aufzufinden… ich durchstreifte die Wohnung und wurde sogar etwas panisch, als ich ihn eine halbe Stunde später doch fand. UNTER dem Bett. Auf dem Boden. Schlafend.

Als wir zum ersten Mal nach unserem Umzug aufs Land im hiesigen Wald unterwegs waren, versteifte sich der kleine Menschenkörper und piepste: “Mama, da wohnen Gespensta!” Es hat mich wirklich einige Überredungskünste gekostet, den kleinen Mann davon zu überzeugen, dass im Wald keine Gefahr lauert. (Woher er das mit den Gespenstern hat, ist mir allerdings schleierhaft…)

Mein Sohn hat lange bei mir – später bei uns – mit im Bett geschlafen. Mein Junge ist nur leider ein furchtbar unruhiger Schläfer, der eine seltsame Angewohnheit hat: Seitdem er ein Baby ist, “fummelt” er bei liebgewonnenen Menschen (bzw. damals beim Stillen), wenn er müde ist, d.h. er fummelt zwischen Ärmelende vom T-Shirt und Arm herum, um einzuschlafen. Wenn man nun aber, so wie ich, sehr kitzelig ist, ist das nicht besonders förderlich, um selbst einzuschlafen (und ich war schon so verzweifelt, dass ich mich einmal in meine Decke eingerollt habe, weil das Gekitzel nicht mehr auszuhalten war… ). Außerdem “kuschelt” er sehr gerne, sprich, er wirft seinen riesigen Kopf auf den meinen – oder des Bären – Kopf, was mir schon mal eine blutige Nase einbrachte. Ich gewöhnte ihm das also ab. Was nicht einfach war und sich über ein halbes Jahr hinzog. Irgendwann schafften wir es, dass Sohnemann sein Bett zwar akzeptierte, aber am Abend noch ungefähr hundertmal aus dem Zimmer geschlichen kam. Doch eines Abends war nach unserem Einschlafritual (Geschichte vorlesen, kuscheln und noch über den Tag sprechen) Feierabend – er kam nicht, er rief nicht, nichts. Misstrauisch lugte ich also in das Kinderzimmer und fand meinen Sohn im Bett – inmitten eines riesigen Bücherstapels, zufrieden Bilderbuch schauend. Das macht er seitdem jeden Abend so: Ich bringe ihn nach unserem Ritual ins Bett, wünsche ihm eine Gute Nacht und schließe die Tür – im Wissen, er wird aufstehen, sich seine Bücher holen und sie sich noch eine ganze Weile anschauen. Jeden Abend schleiche ich mich später in das Kinderzimmer und klaube die Bücher unter dem schlafenden Kinderkörper hervor, um ihn zuzudecken. (Und ich hatte gedacht, das heimliche Unter-der-Bettdecke-lesen geht erst später los…)

Kinder sind was tolles.

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One thought on “Schriftliche Schnappschüsse

  1. Awwww, wie schön! Für mich ist dieser Post heute besonders schön, weil ich die Adresse deines Blogs verloren habe. Ein gewisser jemand, der früher auch immer sehr aktiv auf deinem Blog war, konnte mir jedoch weiterhelfen. Die Freude ist groß! 🙂 Und dass der kleine Herr mittlerweile schon zweieinhalbjährig ist, wow! Schade, dass nur ein Teil deiner Beiträge lesbar ist.
    Herzliche Grüße und eine angenehme Nachtruhe wünsche ich 🙂

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