Campus Kinder: Eltern studieren

Mal was über Kinder an der Uni!

Ich bin ein großer Freund vom Studieren mit Kind – und das nicht allein, weil Kinder von Studenten umsonst in der Mensa essen dürfen. Als ich meinen Sohn das erste Mal mit in eine Vorlesung schleppte, war er eineinhalb. Es war achtzehn Uhr, der Vorsaal voll und still angesichts des Professoren, der gerade die Frage stellte: “Was genau ist ein Argument?”
In just diesem Augenblick brüllte Sohn quer durch den Saal: “Audo brumm BRUMM!” Der Saal lachte, der Prof grinste und erklärte trocken: “Nein. Das ist KEIN Argument.”

Prinzipiell hab ich die Erfahrung gemacht, dass man kleine, immerzu in der Manduca schlafende Babys gut mit in Vorlesungen nehmen kann. Kleinkinder dann schon eher nicht so, es sei denn, man stört sich nicht an Autos, die zwischen den Beinen mit einem gebrummten Fahrton umher geschoben werden. Werden die Kinder aber größer und können auch mal mit malen, puzzlen, Bücher angucken oder einem pöhsen pöhsen YouTube-Filmchen beschäftigt werden, kann man das gut vereinbaren. Die meisten Professoren und Dozenten sehen das locker.

Und für meinen Sohn gibt´s nichts tolleres, als den Kiga für die Uni schwänzen zu dürfen!

Als Student kann man seinen Stundenplan selber so zusammen bauen, dass es mit Betreuungszeiten passt. Man kann mit Professoren auch schon mal eine Sonderregelung vereinbaren oder gar einen Härtefallantrag für das Verschieben von Prüfungen stellen. Es gibt Wickel- und Stillräume und einen Elterntreff für Studenteneltern. Ganz wichtig: Kitas, die mit der Uni zusammen arbeiten und präferiert Kinder von Studis aufnehmen. Sogar das physikalische Institut hat einen Stillraum!
Gut, das trifft jetzt erstmal nur auf meine Uni zu, aber generell glaube ich, dass Studenten mit Kindern an Universitäten schon länger etabliert und keine Seltenheit mehr sind.

Student ist schon ein luxuriöser Job mit Kind – wenn nicht das finanzielle wäre. Klar, große Sprünge sind nicht drin, aber im Großen und Ganzen wage ich zu behaupten, dass es gut machbar und miteinander vereinbar ist.

Ich liebe die Atmosphäre in der Universität, liebe das Streben von Wissen, die Stille in Bibliotheken, intellektuelle Gespräche auf ranzigen Sofas in selbstorganisierten Studentencafés und der Glaube eines Studenten daran, dass die Welt noch nicht verloren ist, sondern man um sie – sei es politisch, gesellschaftlich oder moralisch – noch kämpfen kann. Und ich finde schön, wenn ich all das meinen Kindern mit auf den Weg geben kann, wenn ich ihnen vermitteln darf, wie schön und wichtig Wissen ist und wie frei Bildung einen Menschen macht. Denn nur wer Bescheid weiß, ist in der Lage, gute und richtige Entscheidungen für sein Leben zu treffen.

 

Advertisements

One thought on “Campus Kinder: Eltern studieren

  1. Diesen Beitrag habe ich besonders genossen, weil ich als Nicht-Studierende schon immer neugierig war, wie das Leben als Student ist, und umso mehr, wie es als Mama und Student gleichzeitig ist 🙂 Ich finde es sehr ermutigend zu hören, wie positiv und gut es bei euch klappt, auch wenn ich es mir persönlich schwierig vorstelle und mich wundere, wie es finanziell finanzierbar ist. Aber so wie du es beschrieben hast, klingt es sogar richtig toll, wenn ich das mal ganz naiv sagen darf (und das bitte nicht falsch verstehen, ich bin mir sicher, es ist kein Zuckerschlecken und dafür hast du meinen vollen Respekt).

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s