Geschwister

Mal was über den Geschwisterplüsch im Hause Rabaukin.

Ich bin ohne Geschwister aufgewachsen. Als Einzelkind also. Umso spannender finde ich die Herausforderung, meinen großen Spross an das Geschwister-Dasein heranzuführen. Schon während der Schwangerschaft habe ich mich viel mit ihm diesbezüglich beschäftigt und ging davon aus, dass er unser Baby erst einmal ignorieren würde, wenn sie da ist. Aber weit gefehlt! Mein Sohn überraschte und erstaunte mich, als er in das Krankenhauszimmer reinstürmte und gleich: “Wo is´das Baby? Mami? WO is das BABY?” hyperventilierend brüllte und aufgeregt um das Bett herum tänzelte, sich auf Zehenspitzen stellte, um einen kleinen Blick auf das schlafende Bündel Mensch zu erhaschen.

so

Er liebt seine kleine Schwester. Diese Herzlichkeit und Wärme in meinem Sohn rührt mich jeden Tag. Der kleine Rabauke, der laut und wild ist, sich aber sonst sehr schwer tut, Menschen in sein Herz zu lassen. Zwar ist er offen und kommunikativ, aber es gibt nur wenige ausgewählte Menschen, die er in sein Herz geschlossen hat – diese liebt er aber auch mit Inbrunst und von ganzem Herzen auf eine ganz besondere unerschütterliche Weise. Er will sie kuscheln, bei sich im Bett haben, sie küssen und “liest” ihr Geschichten aus seinem Feuerwehrbuch vor. “Sie is meine LIEBLINGSSwesta!”, ertönt es mindestens einhundertausend mal am Tag.

Von Eifersucht also keine Spur? So dachte ich zu Beginn, aber das war natürlich Unsinn. Doch, er ist eifersüchtig. Nur “verarbeitet” er das nicht durch Wut auf den kleinen Menschen, sondern fordert einfach viel viel mehr Aufmerksamkeit und Kuscheln als zuvor. Zudem möchte und kann er gerade keine Minute lang alleine sein. Also wird hier gerade ein Gang runter geschaltet und ich versuche, möglichst viel und weit auf seine Bedürfnisse einzugehen. Da ich selber keine Geschwister hatte, kann  ich mir nur schlecht vorstellen, was in ihm vorgeht, was überhaupt die Beziehung zwischen Geschwistern ausmacht. Das ist ein Zauber, der mir im Leben verwehrt blieb, umso behutsamer möchte ich ihn in unserer Familie anfassen.

“Der Mond hat mir zugeblinzelt!”, flüsterte mein Sohn gestern Abend im Bett, als wir Michel aus Lönneberga gelesen und ich ihn gefragt hatte, was heute ganz besonders toll war.

 

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