“Sagst du bitte Hallo?”

Über Gepflogenheiten und Wohlerzogenheit.

Es gibt da eine Sache, über die ich mich wirklich schon sehr lange ärgere. Es handelt sich vielmehr über eine immer wiederkehrende Situation, die folgendermaßen verläuft: Ich komme mit dem Sohn irgendwohin, zu Freunden, Familie, Bekannten und an der Haustür fordere ich mein Kind stets dazu auf, doch bitte “Hallo” zu sagen (oder eben auch “Tschüss”). Macht Sohni das hingegen seiner Gewohnheit nicht, begebe ich mich auf Kniehöhe, schaue ihn an und erkläre ihm, dass das sehr wichtig und höflich sei und er das bitte tun soll. An dieser Stelle winken 99% der “Betroffenen” ab und meinen, das müsse er nicht, das sei gar nicht wichtig und überhaupt (Killerargument schlechthin): “Meine Kinder machen das auch nie!”
Ich widerspreche dann. Erkläre, mir sei das wichtig, ich lege da Wert drauf. In diesem Augenblick werde ich in 99% der Fälle angesehen, als wäre ich ein grüner Marsmensch, der keine Ahnung hat, wie das auf dem Planeten Erde so läuft.

Ich denke, dass ich für heutige Verhältnisse schon streng erziehe. Ich sage auch bewusst “erziehen”, denn es gibt einfach Dinge und Werte, die ich meinen Kindern vermitteln möchte, wie eine Art Werkzeug, mit dem sie sich später im Leben behelfen können. Ich mach das ja nicht, um mein Kind zu quälen, sondern weil er ein Kind ist, das einfach kein Gefühl dafür hat, dass es vllt. unhöflich ist, wenn man jemanden an der Tür nicht mit “Hallo” begrüßt, sondern den Besuch ignoriert. Sicher wird er durch unbewusste Nachahmung ohnehin von selbst “hallo” sagen lernen, aber eben nur unbewusst. Ich möchte aber, dass ihm bewusst ist, dass das wichtig ist.

Am Wochenende waren wir bei Fremden zu Besuch, klingelten und ein kleiner vierjähriger Junge öffnete uns die Tür, lächelte und reichte uns die Hand. Das erlebe ich so selten, dass ich sofort ein gutes Bild von dem Kind hatte, gleich empfand: “aus dem wird mal was” – überspitzt ausgedrückt!! Genau das möchte ich für meine Kinder. Es ist soviel einfacher für einen Menschen, durchs Leben zu kommen, wenn andere Menschen ein gutes Bild von ihm haben oder wenn man weiß, wie man mit Menschen umgeht, wie man sie auch gewissermaßen durch kleine Gesten und Höflichkeiten für sich gewinnt.

Genauso “bitte” und “danke”. Ein “Danke” bringt dem anderen einfach Wertschätzung und Achtung entgegen und ich glaube fest daran, dass alles, was man gutes in die Welt hineinträgt, auch zu einem zurück kommt. Und natürlich der vereinfacht ausgedrückte Kategorische Imperativ nach Kant: “Behandle die Menschen stets so, wie du selbst behandelt werden möchtest!”

Ich glaube nicht daran, dass es gut für meine Kinder ist, sie selbst zuviel “machen zu lassen” und ihnen die Freiheit zu geben, solche Sachen selbst zu entscheiden, weil sie ja keine Hunde sind, die dressiert und abgerichtet werden müssen. Vielmehr glaube ich, dass gerade aufgestellte Regeln Sicherheit vermitteln und den Kindern einen Rahmen, in dem sie ganz ungerührt Kind sein dürfen, weil die Regeln nunmal nicht diskutiert und angezweifelt werden – sie werden gemacht. Alles, was reglementiert ist, ist für ein Kind eine Sache, über das es nicht weiter nachdenken muss – damit ist in seinem Kopf wieder mehr Platz für alles, worüber es tatsächlich nachdenken möchte – z.B. warum Sonnenstrahlen aus der Sonne wachsen oder warum sich der Mond um die Erde dreht (das sind jedenfalls die hier derzeit angesagten Themen).

So und nun steinigt mich!

 

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2 thoughts on ““Sagst du bitte Hallo?”

  1. Finde ich wirklich spannend. Ich mache mir viele Gedanken zum Thema Erziehung und da ist so ein Punkt, an dem ich nicht ganz schlüssig bin was für uns richtig ist. Manche Dinge sind mir nämlich auch sehr wichtig, zum Beispiel dass man sich am Tisch benimmt und ordentlich isst, da bin ich auch streng.
    Begrüßen “erzwingen” bei einem Kleinkind finde ich schwierig, weil die bei Fremden einfach auch mal Angst hat. Bei nicht Fremden ist das kein Problem, da ist sie sehr sehr freundlich.
    Ich habe mal einen Blogeintrag einer Mutter gelesen, die ihrem Kind auch öfter mal nicht die Zähne putzt wenn es nicht will, das sind so Dinge, die für mich nicht in Frage kommen.
    Ich denke es gibt viele Bereiche, in denen man Kinder “machen lassen” kann, für mich sind da eher so Themen wie Spielen und Entdecken wichtig.

    (Bin grad verliebt in deinen Blog, deshalb muss ich grad alles kommentieren 😉 )

  2. Ja, man kann sich wahrscheinlich über alles streiten 😀 … meinem Kind die Zähne nicht zu putzen, weil es das nicht möchte, käme hier auch mal einfach so überhaupt nicht in die Tüte. Da bin ich schon ein bisschen pedantisch. Tischmanieren finde ich auch wichtig, schaffe ich oft aber nicht, durchzusetzen, weil der Sohn eine dermaßen nervöse Hummel ist, dass der ganze Tisch gesprengt wird.

    Spielen und Entdecken, das haste gut gesagt… ich bin ein großer Freund von Freiheit… bis auf einige wenige pedantische Eckpunkte… *chrchr*

    Danke!! Das freut mich total, zu hören!!

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