Gesellschaftsspiele

Spielen ist nur was für Kinder?

Ich habe es gehasst. Also als Kind: Gesellschaftsspiele. Bei Mensch ärgere dich nicht habe ich mich tatsächlich in der Regel grün und blau geärgert, was konsequenterweise zu großem Amüsement bei den übrigen Mitspielern auslöste und was mich zu noch mehr Weißglut trieb. Nee, als Kind spielte ich lieber allein und für mich. Und den Sinn sah ich im Spielen auch nicht: Wozu sollte das gut sein, wohin sollte das führen, das Spielen mit Figuren und Brettern? Es erschien mir sinnlos. Man lernte nichts und es gab mir auch sonst nichts.

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Stattdessen liebte ich Rollenspiele, die ich alleine spielte. Mein damaliger Kinderpsychologe und meine Erzieher waren sich stets einig darin, dass ich viel zu verarbeiten hatte und das auf diesem Wege täte.
Es gab nur ein einziges Spiel, das mich an dunklen Winterabenden im Kerzenschein faszinieren konnte: Schach. Ich verbrachte viele Stunden damit, mit meinem Vater Schach zu spielen. (Auch da ärgerte ich mich regelmäßig, weil ich immer verlor. Ich warf meinem Vater schon mal vor, wie pädagogisch unklug es war, mich nicht wenigstens ab und zu mal gewinnen zu lassen… ;-))

Meine Gleichgültigkeit gegenüber dem Spielen änderte sich im Laufe der Jahre nie. Doch dann bekam ich Kinder. Und plötzlich passierte etwas in mir und mittlerweile verhält es sich so: Ich LIEBE Gesellschaftsspiele! Seitdem mein Sohn eineinhalb ist, muss er mit mir spielen. Sein erstes Spiel ist “Obstgarten” von HABA – eine absolute Empfehlung, das Spiel ist nämlich auch heute noch mit seinen 3 Jahren angesagt. Mit der Zeit hat sich unsere Spielesammlung erweitert und wir spielen wirklich viel.

Denn was ich als Kind nicht verstand, heute aber umso mehr: Das gemeinsame Spielen ist eine Möglichkeit, alle Familienmitglieder an einen Tisch zu bekommen und gemeinsam etwas zu tun, gemeinsam Zeit zu verbringen, zu lachen, sich zu ärgern, nachzudenken und einfach mit den anderen zu sein. Hier wird also gespielt und es gibt für mich eigentlich nichts schöneres, als wenn alle Kinder am Tisch sitzen und miteinander spielen. (In der Zeit kann auch schlecht gezankt oder die Wohnung verwüstet werden.)

Mein Sohn kann mit seinen drei Jahren übrigens schummeln wie ein Weltmeister. So trug es sich zu, dass wir eines Nachmittags sein Angelspiel spielten, bei dem im Becken, in das man nicht hinein schauen darf, Fische heraus geangelt werden müssen. Ich trug ihm auf, das Spiel aufzubauen, während ich auf dem Handy eine Nachricht nachlas. Er sagte “fertig” und ich durfte sogar anfangen…. ich angelte also: nichts. Und dann wieder: nichts. Und immer noch nichts. Mein Sohn kringelte sich derweil vor Lachen… er hatte die Fische nicht ins Becken getan, sondern sich auf sie drauf gesetzt, damit ich sie nicht mehr sehen kann. Pfff!

 

Die Favoriten des Sohnes sind übrigens “Fritz Froschprinz” von Haba und “Mein erstes Mitmachspiel” von Ravensburger, das auch ich und bisher alle Besuchskinder sehr lieben. Es handelt sich um ein Aktivitätsspiel, das auch nervöse Hummeln in seinen Bann zieht, weil man eben nicht nur ruhig am Tisch sitzen muss.

Mein Lieblingsspiel ist übrigens nach wie vor Schach. Manche Dinge ändern sich eben doch nie.

Campus Kinder: Eltern studieren

Mal was über Kinder an der Uni!

Ich bin ein großer Freund vom Studieren mit Kind – und das nicht allein, weil Kinder von Studenten umsonst in der Mensa essen dürfen. Als ich meinen Sohn das erste Mal mit in eine Vorlesung schleppte, war er eineinhalb. Es war achtzehn Uhr, der Vorsaal voll und still angesichts des Professoren, der gerade die Frage stellte: “Was genau ist ein Argument?”
In just diesem Augenblick brüllte Sohn quer durch den Saal: “Audo brumm BRUMM!” Der Saal lachte, der Prof grinste und erklärte trocken: “Nein. Das ist KEIN Argument.”

Prinzipiell hab ich die Erfahrung gemacht, dass man kleine, immerzu in der Manduca schlafende Babys gut mit in Vorlesungen nehmen kann. Kleinkinder dann schon eher nicht so, es sei denn, man stört sich nicht an Autos, die zwischen den Beinen mit einem gebrummten Fahrton umher geschoben werden. Werden die Kinder aber größer und können auch mal mit malen, puzzlen, Bücher angucken oder einem pöhsen pöhsen YouTube-Filmchen beschäftigt werden, kann man das gut vereinbaren. Die meisten Professoren und Dozenten sehen das locker.

Und für meinen Sohn gibt´s nichts tolleres, als den Kiga für die Uni schwänzen zu dürfen!

Als Student kann man seinen Stundenplan selber so zusammen bauen, dass es mit Betreuungszeiten passt. Man kann mit Professoren auch schon mal eine Sonderregelung vereinbaren oder gar einen Härtefallantrag für das Verschieben von Prüfungen stellen. Es gibt Wickel- und Stillräume und einen Elterntreff für Studenteneltern. Ganz wichtig: Kitas, die mit der Uni zusammen arbeiten und präferiert Kinder von Studis aufnehmen. Sogar das physikalische Institut hat einen Stillraum!
Gut, das trifft jetzt erstmal nur auf meine Uni zu, aber generell glaube ich, dass Studenten mit Kindern an Universitäten schon länger etabliert und keine Seltenheit mehr sind.

Student ist schon ein luxuriöser Job mit Kind – wenn nicht das finanzielle wäre. Klar, große Sprünge sind nicht drin, aber im Großen und Ganzen wage ich zu behaupten, dass es gut machbar und miteinander vereinbar ist.

Ich liebe die Atmosphäre in der Universität, liebe das Streben von Wissen, die Stille in Bibliotheken, intellektuelle Gespräche auf ranzigen Sofas in selbstorganisierten Studentencafés und der Glaube eines Studenten daran, dass die Welt noch nicht verloren ist, sondern man um sie – sei es politisch, gesellschaftlich oder moralisch – noch kämpfen kann. Und ich finde schön, wenn ich all das meinen Kindern mit auf den Weg geben kann, wenn ich ihnen vermitteln darf, wie schön und wichtig Wissen ist und wie frei Bildung einen Menschen macht. Denn nur wer Bescheid weiß, ist in der Lage, gute und richtige Entscheidungen für sein Leben zu treffen.

 

Klassentreffen

Es war einmal…

… eine Schulklasse, die ihren Abschluss machte. Sommer 2004. Damals erklärte mir meine Freundin: “Und in zehn Jahren machen wir unser erstes Klassentreffen!” In den letzten zehn Jahren hat besagte Freundin immer wieder davon gesprochen und darum wundert es mich auch kein bisschen, dass sie es ist, die genau das für diesen Sommer organisiert hat: Klassentreffen. In den letzten Jahren habe ich vor ihr immer wieder betont, dass mich keine zehn Pferde dorthin kriegen werden, dass es ohnehin nur ein verspätetes, pubertäres Gehabe ist, ähnlich wie kleine Schuljungs ihr Gemächte in der Umkleidekabine miteinander vergleichen.

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Ich tat immer etwas arrogant, gleichgültig. Tatsächlich hatte ich in den letzten zehn Jahren aber genau ein Problem: Ich wusste nicht, als was für ein Mensch ich in die Heimat einkehren wollte. Meine damalige Deutschlehrerin erklärte einst versonnen vor versammelter Mannschaft, ich würde einmal Chefredakteurin der Süddeutschen sein. Sie glaubte an mich, mein Talent, meine Ziele. Eine Freundin erklärte mir als Teenie, während wir biertrinkend (ja, sowas habe ich gemacht, ich pöhses Mädchen!) auf ihrem Bett im Schneidersitz saßen, ich sei so ein Typ. So ein Karrieretyp eben. Und? Was ist passiert? Ich stecke mit knapp 28 mitten im Studium. Ich habe also “nichts” vorzuweisen. Stattdessen ist etwas eingetreten, das mir in damaliger Jugend wirklich niemand zugetraut hätte: Ich habe Kinder. Eine Familie.

Mittlerweile freue ich mich auf das Klassentreffen, weil ich endlich bei mir angekommen bin, weil ich mich kennen gelernt habe und weiß, was ich wirklich brauche, um glücklich zu sein. Ich habe Liebe gefunden und darf Liebe geben, das ist für mich ein sehr viel größeres Geschenk und der größere Erfolg, als jede Karriere. Mein Selbstwertgefühl hängt nicht länger von beruflichen Erfolgen ab und ich bin mit vielen belastenden Themen der Vergangenheit im Reinen.
Im Leben kommt es immer anders, als man denkt. Als siebzehnjährige Göre war ich fest davon überzeugt, dass ich überhaupt keine Kinder haben werde. Das war nie ein Thema für mich, kein Wunsch und kein Gegenstand meiner Zukunftsvorstellungen. Ich sah mich verwegen an einem Schreibtisch sitzen, der in einer Großstadtwohnung steht, und an verregneten Tagen bei einem Glas Rotwein wichtige Sachen schreiben. Darüber kann ich heute herzhaft lachen.

Mich lehren meine Kinder jeden Tag viel mehr, als ich sie lehren kann. Sie lehren mich, wie wertvoll es für einen selbst ist, wenn man anderen von sich gibt. Und oft denke ich, dass ich das meiste im Leben nur deshalb gelernt habe, um meinen Kindern davon zu erzählen und es ihnen als Rüstzeug für ihr eigenes Leben mitzugeben. Ich glaube fast, dass es sehr vielen Mamas draußen so ergeht wie mir, dass sie sich durch ihre Kinder rund und erfüllt und angekommen fühlen – das hat die Natur schon ganz fein so eingerichtet, finde ich.

Aber noch etwas ist hier ganz wichtig: Ich darf meinen Kindern die Mutter sein, die ich selbst nie hatte. Ich darf ihnen all die Liebe zukommen lassen, die ich selbst von der meinen nie erhielt. Und somit schließt sich für mich ein schmerzhafter Kreis, ich versöhne mich gewissermaßen mit meiner Vergangenheit und kann loslassen. Und ich hoffe, dass der Tag kommt, an dem ich auch vergeben kann. Ich glaube nämlich fest an das Prinzip der Vergebung, ich glaube, dass darin eine große Erlösung liegt.

 

Jedenfalls: Klassentreffen 2014. Man ey, ich freu mich so sehr, all die Ar*schnasen wieder zu sehen!

 

Schlaf, Kindlein, schlaf ein….

Schlaf. Dieses Ding, wovon Kinder irgendwie nichts wissen wollen.

 

Mein großer Sohn hat als Baby jede Nacht auf meinem Bauch geschlafen. Seine Wiege stand direkt neben dem Bett, das war mir aber viel zu weit weg: Monster, böse Männer, Raubvögel, die Ungeheuer unter meinem Bett… sie alle hätten mein kleines Baby entführen können. Auf meinem Bauch liegend fühlte ich mich diesbezüglich sicher. Aber noch ein anderer Punkt war mir SEHR wichtig: es mir einfach zu machen. Ich hatte absolut keine Lust, nachts aus dem Bett wanken und das Baby aus seinem Bettchen klauben zu müssen, sondern wollte so wenig Arbeit wie möglich. Das hat auch gut geklappt: Oft wachte ich morgens erholt auf und konnte nicht sagen, ob oder wie oft ich in der Nacht gestillt hatte, so automatisiert war das nächtliche Stillen irgendwann.

Das Baby wurde größer und irgendwann lag dann Nachts ein Kleinkind auf mir. Man muss dazu wissen: Sohni hat einen großen Kopf. Einen stahlbetonharten Kopf. Ich wurde nachts des Öfteren davon wach, dass ein fußballgroßer Stein auf meine Nase knallte. Nicht selten blutete ich, ziemlich oft glaubte ich meine Nase gebrochen. Denn Sohni wollte (würde er mit seinen 3 Jahren am liebsten heute noch) Kopf auf Kopf schlafen. Wurde ich also nachts nicht von derartigem wach, dann davon, dass ich keine Luft bekam. 10kg auf der Lunge liegen zu haben sind eben auch kein Pappenstiel. Als er dazu noch anfing, immer seine Hand in meine T-Shirt-Öffnung, also direkt unter die Achselhöhle, stecken zu wollen – das hat so, SO SEHR, gekitzelt!!! – reichte es. Ich beschloss, dass mein kleiner Mann ab sofort in seinem Bettchen schlafen durfte. Es dauerte ein halbes Jahr, bis das auch wirklich so klappte, dass alle glücklich mit dieser Lösung waren.

Nun also das Amselbaby. Und ja, es schläft auf meinem Bauch. Eigentlich nur dort richtig – oder in der Manduca. Selbst im Kinderwagen schläft unser kleines Mädchen nicht, sie braucht dafür körperliche Nähe. Ich genieße das sehr. Ich glaube fest daran, dass das die Beziehung zu meinen Kindern stärkt und intensiviert.

Und dennoch: Ich bin kein Freund vom Familienbett. Schon das Wort stört mich. Es impliziert für mich, dass man als Paar wirklich alles mit seinen Kindern teilt und das käme für mich einfach nicht in Frage. Unser Amselmädchen wird im Kleinkindalter auch ausquartiert werden, denn so sehr ich die Nähe zu meinen Kindern genieße, genieße ich auch die Privatsphäre mit meinem Partner und finde die wichtig. Ich erkläre meinem Sohn gerne abends, wenn er sich darüber beschwert, nicht mit uns bis in die Puppen aufbleiben zu dürfen, dass große Menschen auch einmal Zeit für sich bräuchten, dass Eltern auch mal mit sich alleine sein müssten. Und dass Kinder eben zu anderen Zeiten schlafen gehen.

Der Sohn ist übrigens sehr, sehr verkuschelt und körperbetont. Er kuschelt mit kompletten Körpereinsatz und sehr ausgiebig. Er umarmt gerne andere Menschen und wenn wir in großer Runde mit vertrauten Menschen stehen, kann es schon mal vorkommen, dass er alle der Reihe nach fest in die Arme schließt. Ich denke, dass das in seinem Wesen begründet liegt, aber ich glaube, dass auch die viele körperliche Nähe als Baby ihr Übriges dazu getan hat. Sage ich mir jedenfalls gerne 😉

 

Stillen in der Öffentlichkeit

Läuft´s jetzt nach dem Motto: “Brust raus”?

Ich stille. Den großen Sohn habe ich bis zu seinem ersten Lebensjahr gestillt und auch das Amselmädchen wird jetzt vollgestillt. Für mich käme nichts anderes in Frage, aber ich hatte auch Glück: Musste ich um das Stillen beim Sohn in den ersten Tagen hart kämpfen, ging das bei unserer Amsel ganz von selbst gleich in den ersten Minuten nach ihrer Geburt.

Das Stillen ist für mich das selbstverständlichste der Welt: Ich stille, während ich die Spülmaschine einräume, dem Sohn ein Brot schmiere, während ich lese oder auch, während ich durch die Wohnung laufe, weil – irgendwasistimmer.
Ich liebe die Einfachheit dabei: Brust raus, Kind angedockt, alle sind zufrieden. Die dabei produzierten Hormone tun ihr Übriges, um mich glücklich und zufrieden sein zu lassen.

Aber: Ich stille nie in der Öffentlichkeit. Nicht, weil ich so eine bin, die das verurteilt, ganz im Gegenteil. Ich find´s schön, wenn Mütter das so können. Aber für mich geht das nicht – für mich ist die Brust nach wie vor eine Brust, nicht nur lediglich Milchbar. Und die zeige ich fremden Menschen nicht gern, mache ich ja auch nicht, wenn ich gerade kein Stillkind habe.
Zudem ist das Stillen für mich eine außerordentlich intime Sache und ich fühle mich nackt und angreifbar, wenn ich derart intimes von mir preisgebe.

Anders sieht das bei engen Freunden und Familienangehörigen aus, da zeige ich weniger Hemmungen. Aber auch da achte ich darauf, dass meine Brust nicht nackich rumbommelt… ich stille immer bedeckt und dezent im Hintergrund, weil ich das nicht nur für andere, sondern auch für mich und mein Baby am passendsten finde. Denn auch mein Baby braucht Ruhe und ich esse ja auch nicht gern in hektischer, chaotischer Umgebung.

Das jedenfalls ist mein Weg, mit dem Diskurs über das Stillen in der Öffentlichkeit umzugehen. Ich finde es angebracht, wenn das in unserer Gesellschaft etabliert und nicht verurteilt wird, denn das Stillen ist nunmal etwas natürliches. Das abzulehnen zeigt eigentlich nur, wie weit weg wir Menschen von unserem eigentlichen, von der Natur so vorgesehenen, Menschsein sind.

 

Alice im Wunderland

Ein Mann mit grauen Haaren und hängenden Schultern kommt in Jeans und grauem T-Shirt auf die Bühne. Um mich herum brandet Applaus auf, die Menschen stehen von ihren Stühlen auf, klatschen, johlen, pfeifen. Ich drücke mich noch etwas tiefer in meinen Sitz, halte die Hand des Mannes neben mir und mit der anderen meinen vorgewölbten Bauch. Mein Vorbild steht auf der Bühne, Stephen King sieht etwas verloren auf der Bühne auf, ein bisschen so, als wollte er sich und uns alle fragen, was er, aber vor allem – was WIR hier machen? Einem alten Mann Jubelschreie entgegen bringen, wo er doch weder ein Dessous-Model, noch einer von den Backstreet Boys ist.

Ich bin mit den Gedanken schon abgeschweift. Die Zeituhr in meinem Kopf ist um ein Jahr zurück gespult. Ich sitze auf einem Stuhl zwischen anderen Studenten und ältere Semestler imitieren Alice im Wunderland, um uns zu demonstrieren, wie zauberhaft das Unileben doch sei. Der Grinsekater und das ständig gehetzte Kaninchen klären uns über all das auf, woran ich nie teilnehmen werde: Partys, die besten Bars der Stadt, Studentenwohnheime. Über unseren Köpfen baumeln Pik As, Herz König und Kreuz Acht. Auf jeder der Karten steht ein Name. Unsere Namen. Der Mann, mit dem ich ein Baby bekommen und zusammen ziehen werde, sieht mich an und wieder weg. Später gehen wir zusammen Mittagessen und unterhalten uns über die Zeit, das Leben und die Schönheit der Mathematik. Wir wissen noch nichts von der Zukunft. Aber der Winter, der uns aneinander näher bringen wird, liegt schon in der kühlen Oktobersonne. Man kann den Schnee, der in diesem und Anfang des nächsten Jahres zuhauf fallen wird, schon riechen.

Ob wir an jenem Tag in den Kaninchenbau gefallen sind, wie damals Alice in das Wunderland? Ich könnte jetzt von diesem wunderbaren Jahr schreiben, das mich – uns – so reich beschenkt hat, dass man es kaum für möglich hält. Dieses Jahr gleicht für mich einem Wunder. Ich würde euch so gerne von diesem Haus erzählen, von einer atemberaubenden Reise, von der Großzügigkeit, die das Leben für uns übrig hat, wenn wir es nur darum bitten. Ich schrieb im Dezember 2012 einen Brief an das Leben, gefüllt mit meinen Wünschen für das kommende Jahr. Ich denke oft an diesen Brief. Ich spreche nie über ihn. Aber ich werde in diesem Jahr wieder einen schreiben.

Ich würde euch gerne von diesem, meinem Leben erzählen. Davon, wie ich die Dunkelheit der letzten Jahre ablegte wie einen zu groß geratenen Mantel. Aber manche Dinge darf man nicht laut aussprechen. Weil jedes Wort zu klein für die Großartigkeit dieser Dinge ist.

Der Schriftsteller auf der Bühne schlägt ein Buch (nein, eigentlich sein iPad) auf und beginnt, zu lesen. Als er fertig ist, den Kopf hebt und das Buch zuschlägt (nein, eigentlich sein iPad, aber Buch klingt so viel schöner), schließt sich für mich ein Kreis.

Danke, liebes Leben.